Dienstag, 14. November 2017

#12 thinktuesday - kann, nicht muss

Nach dem ich mit 30 entschieden habe neue Wege zu gehen, ging ich in die Schule. Ich habe Fachabitur nachgeholt, Medientechnikstudium „ausprobiert", die Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert.

Die Zeit war hart. Ich habe gelernt und gearbeitet. Nach der Ausbildung wurde ich übernommen. Ich bin zufrieden mit meinem Arbeitgeber und den Inhalt meiner Arbeit. Mir macht die Arbeit Spaß und ich habe liebe und lustige Arbeitskolleginnen um mich.

Dennoch fiel ich in einem Loch. Was nun mit meiner Freizeit? Vorher habe ich entweder gelernt oder nebenher gejobbt, auch als ich im Einzelhandel gearbeitet habe.

Ich fühlte mich plötzlich verpflichtet mehr zu machen, mehr zu schaffen.

Prompt war ich für den Ausbildereigner angemeldet. Ich hatte vier Wochen eine Beschäftigung und nach der Prüfung fiele ich in das nächste Loch…

Und nun?

Ich glaube als ich mich für das Studium Wirtschaftswissenschaft angemeldet habe, gab es in meinem Hirn einen Kurzschluss. Meine Arbeitskollegin würde eher sagen:

Hast du Lack gesoffen, oder was?

Ja, möglicherweise. 2016 habe ich mich für das Wintersemester 16/17 eingeschrieben. Seitdem quäle ich mich durch den Stoff und habe null Spaß dran. Meistens habe ich die Sachen nicht mal angerührt, aber ich wusste, die Lernhefte liegen in der Schublade…

Ich konnte nicht schlafen, ich kam morgens nicht in die puschen. Ich habe nicht mehr fotografiert. Ich kümmerte halbherzig um unsere Wohnung und alles was so anfällt.

Als wir Ende September in den Urlaub flogen, hatte ich kurz (wirklich nur kurz) überlegt die Lernhefte mitzunehmen. Ich habe lieber Fachliteratur zum Thema Soziologie und Decluttering gekauft.

Im Urlaub angekommen kreisten mir etliche Gedanken durch den Kopf. Du kannst doch nicht ohne Versuch aufgeben, wenigsten lerne für eine Klausur. Wenn du durchfällst, kannst du immer noch aufhören.

Nein. Das muss aufhören.

Mein Leben war ein Wettlauf. Immer weiter. Ich bin heute da wo ich niemals zu träumen wagte. Als ich in Deutschland ankam, hatte ich nicht mal einen Schulabschluss. Nicht mal Deutsch beherrschte ich.

Ich muss nicht studieren, weil es für meine Karriere vielleicht von Vorteil wäre. Ich kann studieren, wenn es mir spaß macht. Egal wie sinnlos das Fach auch klingen mag. Nun heiß es nicht mehr ich muss, sondern ich kann.

Diese Entscheidung habe ich im Urlaub getroffen, aber richtig bewusst wurde es mir erst jetzt. Seitdem stehe ich früh auf. Bin meist schon um 07:30 im Büro und nicht erst um 11:00. Mein Rückenschmerz ist besser geworden. Mein Haushalt habe ich nun besser im Griff. Ich fotografiere wieder. Neue Ideen für unsere Wohnung entstehen. Plötzlich habe ich mehr Energie und ich habe nicht das Gefühl Pseudo Verpflichtungen nachzugehen.

Ich gönne mir nun eine Auszeit  und werde meine Kreativität wieder Raum geben um sich zu entfalten. :-)



Habt ihr ähnliche Erfahrungen? Hinterlasse ein Kommentar, ich freue mich von euch zu lesen.

PS. Möchtest du die Arbeitshefte der ersten zwei Module der Fernuni Hagen haben? Zum rein schnuppern. Nur weil es nicht meins ist :-) In Bonn abzuholen oder gegen Versandkosten. Die Hefte gebe ich kostenlos ab.



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