Dienstag, 4. Juli 2017

#4 thinktuesday - Work-Life-Balance

Ich denke, jeder muss zunächst eine Entscheidung treffen. Wie wichtig ist mir Geld oder Karriere. Wie wichtig ist mir die Familie. Erst dann wird man die Balance finden.

Ich konnte zwei Kulturen miteinander vergleichen. In Thailand leben die Menschen häufig im Jetzt, man könnte auch sagen, planlos. In Deutschland hingegen hat man in der Regel einen Masterplan - Haus, Auto, Rente usw.
Als ich 2002 entschieden habe meinem Lebensmittelpunkt nach Deutschland zu verlegen, wusste ich, dass es nicht einfach wird. 

Ein kurzes Backgroundwissen: Ich bin in Thailand aufgewachsen. Meine Eltern hatten nicht viel und deshalb konnte ich nicht zur Schule gehen. Meine Eltern unterstützte ich im Familienbetrieb. Als ich nach Deutschland kam, hatte ich somit keinen Schulabschluss. Im Spätsommer 2002 habe ich mich in eine Abendrealschule eingeschrieben. Ohne Schulabschluss hat man halt keine Perspektive.

Kinder, geht zur Schule!

Die deutsche Sprache machte das Lernen nicht einfacher. Ich hatte zwei Jobs, schlief nur wenig und trotzdem hat das Geld von hinten bis vorn nicht gereicht. Ich habe vormittags Regale in einem Obstladen aufgefüllt und in der Nacht durfte ich Flugcontainers beladen. Alles war so furchtbar teuer hier. Ich habe mich an das Arbeitsamt gewandt, ob sie einen Tipp für mich hätten, was ich noch tun kann, um mich finanziell besser aufzustellen. Ich brauchte mehr Zeit für das Lernen. Ihre Antwort hat mich erschüttert: sie können mir erst weiterhelfen, wenn ich die Schule abbreche. O.O WTF!?! Diese beknackte Beamtenkuh! Blöde B#tch! 

Im Laufe der Zeit haben sich meine Deutschkenntnisse verbessert. Ich konnte mich auf bessere Jobs bewerben. Ich habe als Callcenteragentin, Bürogehilfin und als Kellnerin gearbeitet. Nach der Schule habe ich, um meine Finanzen zu verbessern, zunächst keine Ausbildung begonnen, sondern habe Vollzeit im Einzelhandel gearbeitet. Nach 3,5 Jahren hatte ich genau so viel verdient wie eine gelernte Kraft. Da war ich sehr stolz, aber ich spürte, dass ich nicht ewig im Einzelhandel arbeiten möchte. Ich entschied mich eine Ausbildung zu finden. Ich stellte fest, dass man mit einem Realschulabschluss nicht so viele Auswahl hat. Ich entschied mich an der WBK Bonn mein Fachabitur nachzuholen. Danach hatte ich ein Studium „ausprobiert“ und merkte, Studenten Dasein ist nicht meins. In der gesamten Zeit habe ich entweder nebenher gekellnert oder fotografiert. Nach dem ganzen Tamtam absolvierte ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Heute arbeite ich als Sachbearbeiterin bei einer Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Hochschulen. 


Ich kann sagen, dass ich angekommen bin. Jetzt verdiene ich mit einem Job genug um meine Kosten zu decken. Ich könnte natürlich jetzt weiter machen, um noch mehr zu verdienen. Ein Haus kaufen, ein Auto und, und, und … Bewusst entscheide ich mich für mehr Zeit. Mehr Zeit für unsere Familie, für meinen Mann, für unsere Katze, für die Fotografie oder für unsere Couch. :-P 

"Das Leben ist zu kurz, um nur zu arbeiten" 



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